Geistvoll
Allenthalben wird sich mehr Einigkeit gewünscht. Die Klagen reißen nicht ab darüber, dass jeder seins mache, dass jede eigene Interessen habe, dass es immer schwieriger werde, alle unter einen Hut zu bekommen. Waren wir das je, alle unter einem Hut?
Bei der Kirmes, beim Gemeindefest, in der Regierung, im Parlament … überall wünscht man sich große Beteiligung und ein am Wohl aller orientiertes Auftreten und Wirken. Aber da tanzt ja schon wieder der da mit seiner unmöglichen Meinung aus der Reihe. Und die da hätte sich ja auch mal ein bisschen mehr sich einbringen können.
Vor bald 2000 Jahren, beim ersten Pfingstfest, tanzte er zwar nicht, aber er fiel mit mutigen Worten auf und brachte sich als einfacher Mensch vom Land ein. Eigentlich war seine Sache abgeschrieben, sein Idol und Vorbild nicht mehr greifbar, buchstäblich zum Himmel gefahren. Aber dann war etwas vom Himmel zurückgekommen. Es rauschte und befeuerte ihn und alle seine Freundinnen und Freunde. Wir kennen sie als die Jüngerinnen und Jünger von Jesus. Petrus machte einfach den Mund auf und sprach von dem, was ihm Kraft und Mut und Zuversicht gegeben hatte. Und da hörten ihm die unterschiedlichsten Leute zu. Es war so, als ob die ganze Welt an seinen Lippen hing. Tatsächlich waren damals vom Westen bis zum Osten, rund ums Mittelmeer, viele gekommen, um in Jerusalem zu feiern.
Sie hören von Petrus, dass einer durch Tod und Sterben zu neuem Leben auferstanden ist. Sie hören, dass Liebe nicht totzukriegen war. Sie hören, dass diese Liebe nicht nur den Frommen, nicht nur den Rechtschaffenen, nicht nur den Fleißigen, nicht nur dem eigenen Volk, nicht nur denen, mit denen ich schon immer zusammen war, galt und gilt, sondern allen Menschen.
Und viele ließen sich von diesen Worten anrühren. Sie bildeten die erste Gemeinde, die Urgemeinde. Und sie waren so unterschiedlich, wie es nur sein kann. Aber in einem waren sie sich einig, an diesem Jesus Christus, dem Sohn Gottes, festzuhalten. Denn er liebte sie, in ihrer Vielfalt, jede einzelne.
Pfarrer Werner Ewald, Niederaula